Rock Am Ring 2018: Ausführlicher Bericht

Montagmorgen, 4.30 Uhr. Ich stehe vor meiner Haustüre. Durch den Kopf geht mir nur ein Gedanke: in 2 1/2 Stunden wird der Wecker für die Arbeit klingeln und mich aus meinem bitter benötigtem Schlaf reißen. Vorfreude… Zudem: Sonnenbrand. Schmerzhaft und mit einer Nase wie Rudolph das Rentier, werde ich bestimmt einen ruhigen Schlaf genießen, denke ich. Aber dann ist da noch ein Gedanke. Ein Gedanke, der sich im Gegensatz zu mir nicht schlafen legen will. Im Gegenteil: Er schreit, gröhlt, lährmt mit dröhnendem Bass und heißer Stimme, wie zuletzt Dave Grohl, Frontmann der „Foo Fighters“. Ein Gedanke der sagt: „Scheiße nochmal, das war es wert!“ Warum? Fangen wir vorne an.

Freitag, 01.06.18

Zusammen mit meinem Kumpel Benedict genieße ich die letzte gesunde Mahlzeit für die nächsten drei Tage auf meinem Balkon. Es ist ca. 14:00 Uhr und wir haben es etwas eilig, denn 350 km Strecke liegen vor uns. Rooaaad Trip. Die erste Pause nach ca. 2h, Benedict tankt sein Auto, ich mein erstes Bier. Nach weiteren 2h erreichen wir das Gelände. Wir sind spät dran, viele Besucher sind bereits am Mittwoch angereist. Die Straßen sind schon gesperrt, aber mit der guten, alten Dummstell-Taktik schaffen wir es noch einen freien Parplatz nahe zum Festivalgelände zu kriegen. Glück gehabt. Denken wir zumindest. Denn der nächste freie Campingplatz sei nur 200m entfernt, meint der Parkwächter. Schwer bepackt mit Zelt, Taschen, Stuhl, etc. werden aus den 200m dann aber gefühlte 2 km. Nein, nicht gefühlte, es waren 100% tatsächlich 2 km.

Mein Tipp also: versucht rechtzeitig loszufahren, am besten schon am Vortag. So spart ihr euch Nerven und lange, anstrengende Fußwege zwischen Festivalgelände, Park- und Campingplatz.

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Ein kleiner Eindruck vom Campingplatz

Der Campingplatz ist auch schon sehr gut gefüllt und wir finden noch ein „freies“ Plätzchen, mitten im Quartier einer größeren Gruppe, die schon ihre Pirattenflagge gehisst hatte. Diese ist aber zur Zeit abwesend, weshalb wir uns fragen, ob unser Zelt noch stehen würde, wenn wir zurückkommen. Achtung Spoiler: Es ging alles gut und die Seeräuber stellten sich als freundliche Gesellen heraus, mit denen wir viel Spaß hatten. Einzig und allein die völlig abgedrehten Techno-Remixes, die einen täglich um ca. 8:00 Uhr aus den Träumen rissen, waren etwas störend. Schnell also das Zelt aufgebaut und ab zum Festival. Da wir den ersten interessanten Act, Young Hurn, verpassen, haben wir noch ein bisschen Zeit ein Überblick über das Gelände zu bekommen.

Das Festivalgelände:

Vor dem Haupteingang hat LIDL ein eigenes Gelände mit Chillzone und Supermarkt errichtet. Dort findet ihr eigentlich alles Nötige an Essen, Camping Equipment, Alkohol, etc. Die Produktvielfalt ist zwar eher gering, dafür gibt es alles in sehr großer Zahl. Nach dem ersten Security-Check befindet man sich in einer Art Vor-Festivalgelände. Hier gibt es diverse Essens-Merch und sonstige Ausrüstungsstände mit Gummistiefeln, Sonnenbrillen, etc. Auch eine kleinere Bühne, mit klassischer TURN-UP Clubmucke vom DJ. Hier werden wir noch einige Moves auf dem Dancefloor auspacken. Am eigentlichen Haupteingang wird man dann noch einmal etwas genauer gecheckt. Das Festivalgelände besteht aus drei Stages: einer Mainstage und zwei kleineren Bühnen. Auch hier finden sich unzählige Fressbuden wie Asia, Pizza, Döner, Burger, Crepes etc. und verschiedene Sponsoren haben ihre Stände, mit Möglichkeiten zum Zeitvertreib aufgebaut. So gibt es eine Bar mit Dancefloor von Jägermeister, in einem riesigen Holzhirsch (Trojaner aufgepasst) oder Telekom bietet eine Chillzone mit WIFI-Hotspot, was sehr nützlich ist, das das Mobilfunknetz fast durchgehend down ist. Des Weiteren gibt es noch weitere Attraktionen, wie Boxauto, Riesenrad, und, und, und…

Den ersten Künstler, den wir uns geben, ist der Rapper „Bausa“. Mit ordentlich Bass liefert er eine gute Show und sorgt mit Songs, wie seinem Top Hit „Was du Liebe nennst“ für ordentlich Stimmung unter den Zuschauern. Danach wechseln wir zur Hauptbühne für den heutigen Main Act, durch „30 Seconds to Mars“. Wir finden einen ganz guten Platz, etwas seitlich im 2. Wellenbrecherbereich. Tausende freudige Menschen pressen sich hier aneinander und singen im Chor zu „Walk On Water“,  „Rescue Me“ und vieles mehr. Eine unglaubliche Atmosphäre! Allerdings ist der Aufrtitt heute eher enttäuschend, da das Ganze irgendwie schlecht abgemischt ist und für ein Rock Festival sowieso viiieeel zu leise. Umso besser, und mein persönliches Highlight, ist dafür der nächste Act von einem weiteren deutschen Rapper, nämlich „UFO361“. Wir sind fast ganz vorne mit dabei und nehmen jeden Moshpit mit. Die Crowd geht ordentlich ab, denn mit ordentlich Bass und Flammenshow bietet „UFO361“ eine richtig gute Show. Um ca. 1:30 Uhr ist schluss und wir beschließen zurück zum Campingplatz zu gehen. Durch den leichten Alkoholeinfluss braucht der Heimweg etwas länger bis ca. 2:30 Uhr. Natürlich ist auf dem Campingplatz noch ordentlich was los und so schlafen wir mehr oder weniger ruhig zu den Techno Remixes, auf voller Lautstärke, unserer Piratencrew ein.

Samstag, 02.06.18

Um ca. 8:30 Uhr werden wir wieder durch die TURN-UP Musik, wie am Abend zuvor geweckt. Erst pumpen unsere Zeltnachbarn einen Techno-Remix mit völlig schrägen und schiefen Melodien einer peruanischen Panflötenband, wie es jeder 1. Klässler bei seiner ersten Flötenunterrichtsstunde hingekriegt hätte, und danach einen total abgedrehten Spongebob-Remix. In Kombination mit unserem Kater also der perfekte Start in den Tag. Aber gut, immerhin hält sich das Wetter, denke ich #staypositive. Jetzt: Frühstück. Ohne Besteck, Teller, Tisch, etc. läuft alles etwas improvisiert ab, aber es funktioniert. Auf der Speisekarte stehen Gourmetspeisen, wie vorgekochte Eier, Schinkenwurst und Knäckebrot. Natürlich wird auch schon das ein oder andere Konterbier genossen. img_0851

Gourmetfrühstück

Im Hintergrund läuft ganz romantisch eine Flötenversion, der besonderen Art von „My Heart Will Go On“. Im Ernst, was haben die dort mit ihrer Flötenmusik?  (Link: https://www.youtube.com/watch?v=X2WH8mHJnhM reinhören, aber auf eigene Gefahr!). Erst um 14:00 Uhr beginnt der erste interessante Act für uns und bis dahin genießen wir das Leben auf dem Campingplatz. Wir spielen Bierpong und Karten, chillen und glühen mit unserem Premium Doppelkorn-Eistee Kanister vor.

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Kein Becher? Egal, Doppelkornschmeckt auch aus der Eisteepulverdose ganz nice. 

Mein langer, treuer Begleiter von selbstgebauten Campingstuhl überlebt den Vormittag durch eine etwas unüberlegte Hinsetzaktion leider nicht #RIP. Es war dabei natürlich kein Alkohol im Spiel. Um die Mittagszeit gehen wir also wieder zum Festival und geben uns den ersten Künstler „Youngblud“. Danach wird es Zeit für Mittagessen. Dem Spanferkel, das schön saftig bruzelnd seine Runden am Spieß dreht kann ich nicht widerstehen und gönne mir das leckere Fleisch mit Krautsalat. Leider ist die Portion viel zu klein und dafür viel zu teuer. Zum Thema Preise aber mehr in meinem zusammengefasstem Blogbeitrag mit Bewertung.  Wir gehen außerdem ins Bällebad und gewinnen in einem hartumkämpften Spiel einen wasserdichten Hängebeutel, reiten Rodeo bei LIDL und bringen den Dancefloor richtig zum kochen. Oder wir chillen einfach am Auto und machen ein Mittagsschläfchen. Dort machen wir ein paar nette Bekanntschaften, mit denen wir wieder aufs Festival gehen, um uns „Snow Patrol“ anzusehen. Mitten in der Crowd meint Benedict, er müsse mal auf die Toilette, aber ich solle hierbleiben, er würde uns schon wieder finden. Benedict hat ungefähr einen Orientierungssinn, wie Alistair Overeem nach seiner krassen K.O. Niederlage, durch den Aufwärtshaken von Francis Ngannou ( https://www.youtube.com/watch?v=8ad7KQ34P08 schaut es euch an, dann wisst ihr wovon ich rede), dazu mit verbundenen Augen. Oder kurzgesagt: Er hat keinen Orientierungssinn. Also: keine gute Idee. Überhaupt keine gute Idee. So vergehen 10, 20, 30,.. Minuten, aber keine Spur von Benedict. Da es bald dunkel wird und wir rechtzeitig zu „Muse“ wollen, beschließe ich also auf die Suche zu gehen. Erst klapper ich die Toilette ab, dann den Telekom Stand. Vielleicht versucht er ja dort über den WIFI-Hotspot Kontakt mit mir aufzunehmen. Aber auch hier nichts. Dann eine zündende Idee: An einem Merchstand sehe ich, dass man dort seine eigenen Plakate beschriften kann. Ich schreibe also fett: „Benedict Lost“ darauf und hebe es in die Luft, während ich zu dem letzten Spot laufe, wo wir uns gesehen haben. Was denkt ihr wohl, wie viele Leute, Männer als auch Frauen, mich angesprochen haben und meinten sie seien der Benedict, den ich suche. Klar. Ich laufe jedenfalls an unserer letzten gemeinsamen Stelle etwas hin und her, als ich das Unglaubliche entdecke: Mein lieber Freund Benedict sitzt dort gaaaanz gemütlich auf dem Boden und trinkt genüsslich ein Bier mit seinen scheinbar neuen Freunden. An dieser Stelle: Wenn du das liest, danke dafür du Spast. Er habe uns nicht mehr gefunden, da wir 100% gegangen wären, also habe er kein Bock mehr gehabt, meint er. Aber alles egal, wir haben uns wiedergefunden und können uns nun „Muse“ anschauen.

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Krasse Bühnenshow bei „MUSE“.

Das Konzert geht los, ich habe Bock auf TURN-UP und gehe rein in die Menge zum nächsten Mosh. Benedict bleibt bei seinen neuen Bekanntschaften, also was passiert? Natürlich, wir verlieren uns erneut. Doch nochmal auf die Suche zu gehen habe ich keine Lust, ich genieße jetzt das Konzert. Doch immer wieder mache ich mir Sorgen. Allerdings nicht um meinen Kumpel, sondern eher um mein Abendessen. Eigentlich wollen wir nach dem Konzert grillen, doch der Einweggrill ist in Benedicts Auto, wofür er den Schlüssel hat. Schöne Scheiße…Zur Ablenkung werfe ich mich also in den nächsten Mosh, als ich plötzlich vor Benedict stehe. Krass! Wir hüpfen fröhlich hin und her und schubsen uns, und die Anderen ordentlich durch die Gegend. Muse spielt nebenbei erwähnt richtig gut bis ca. 00:00 Uhr. Danach machen wir uns auf den Heimweg, denn wir wollen ja schließlich noch grillen. Doch unterwegs werden wir von den DJ Künsten im Vor-Festivalbereich aufgehalten, also zieht es uns auf den Dancefloor, der inzwischen recht gut gefühlt ist. Ich will mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber das ist bestimmt nur uns und unserer Abrissparty am Mittag zu verdanken:

Wir bringen den Dancefloor zum Kochen.

Wir bringen die Klassiker, wie den Busfahrer oder den Bauarbeiter, womit wir den Dancefloor richtig zum Kochen bringen. Um 1:30 Uhr müssen wir aber leider wirklich los, da LIDL um 2:00 Uhr schließt und wir noch unser Fleisch kaufen müssen. Doch im LIDL selbst ist ebenfalls Party Stimmung: Es läuft laut Musik, alle bewegen sich zum Beat, sogar die Mitarbeiter selbst. Erneut zeigt sich also die gute Stimmung auf dem Festival, egal ob Besucher oder Mitarbeiter. Wir sind schließlich um 2:30 Uhr am Zelt und werfen den Grill an. Saftig bruzeln die Nürnberger und Schweinenackensteaks vor sich hin. Zum Dessert gibt es Marshmallows auf Butterkeksen und der edle Tropfen Doppelkorn sorgt für den wohlbekommenden Abgang. So gemütlich klingt also der zweite Abend aus, überraschenderweise ganz still und gemütlich, ohne aufgedrehte Party-Mucke, da unsere Seeräuber vor lauter Rum schon tief und fest in ihren Kajüten schlafen.

Sonntag, 03.06. 18

Der letzte Tag ist leider schon angebrochen und vom Spaß-Faktor könnte man hier auf jeden Fall noch einige Zeit bleiben. Der Gesundheit würde das, durch den Schlafmangel, dem hohen Alkoholkonsum und der ungesunden Ernährung, etc., allerdings wohl gar nicht gut tun. Deshalb reicht das Wochenende völlig aus und ich starte in den Morgen mit einer frischen Dusche. Für 3 Euro kriegt man eine kalte Welness-Sammeldusche, reicht aber um sauber zu werden. Nach dem Frühstück wieder das gleiche Procedere wie am Vortag, bevor wir dann unser Zeug zusammenpacken und schonmal zum Auto schleppen. Dort genießen wir dann nochmal das klassische Sonntagskaffeekränzchen mit Croissants und Latte Baileys. Heute ist der wärmste Tag und die Sonne knallt ordentlich herunter, weshalb wir uns zur Erfrischung eine Wassermelone gönnen. Geheimtipp: Noch erfrischender wird es dann durch die Zugabe von Doppelkorn oder Bier. Gordon Ramsay wäre stolz. Richtig Spaß haben wir noch mit dem Klebeband, dass ich in meiner Tasche finde und befestigen so z.B. die Bierdosen an unseren Händen (man könnte es ja verlieren) oder beschmücken das Auto von unseren Freunden mit einem durchaus realistischem Penis.

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Zu meiner Verteidigung: ich hatte ja schließlich nur eine Hand zur Verfügung. Danach gehen wir wieder aufs Festivalgelände. Nochmal eine Runde ins Bällebad, diesmal nehmen wir das Spiel eher nicht so ernst und schlagen uns lieber die Köpfe ein. Jetzt wirds aber Zeit für Musik. Erst zu „Good Charlotte“, der Lieblingsband meiner Kindheit, und dann zu „Trailerpark“. Mit Rap gehts dann auch bei „RAF Camora“ weiter, der einen Überraschungsgast, kein geringerer als „Bonez MC“ von den 187ern, mitbringt. Dieser hat wohl zu viel UFC geschaut, da er wie Conor McGregor eine Wasserflasche nach der anderen in die Menge feuert. Im Main Act spielen heute die „Foo Fighters“. Wir sind allerdings echt kaputt und beschließen deshalb, diesmal nicht weiter vorne mitzumischen, sondern genießen erstmal die Aussicht vom Riesenrad aus.

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Überblick auf dem Riesenrad

Hier bekommt man einen wirklich guten Überblick über das ganze Gelände und für 5 Euro ist der Preis auch in Ordnung. Um 23:30 machen wir uns schließlich auf den Heimweg, das Festival würde noch bis ca. 2:00 Uhr weitergehen, aber ich muss ja wieder zur Arbeit. Mit dem Auto ist man schnell aus dem Gelände heraus und „nur“ noch 350km Strecke, dann kann ich endlich im meinem kuschligen Bett ruhig einschlafen. Naja mehr oder weniger, aber ihr kennt ja den Rest der Geschichte…

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